Reha-Schatz: Nimm das Beste für dich mit!

Reha-Schatz? Obwohl nicht alles Gold war, so hatte die Reha dennoch ihre verborgenen Schätze. Ich muss zugeben, die Reha stellte mich vor eine echte Herausforderung. Viele Therapieeinheiten erschienen mir sinnlos in Bezug auf mein Krankheitsbild. Auch die organisatorischen Umstände, der ständige Wechsel der Bezugspersonen und die Zustände in der Klinik ließen mich nicht erkennen, dass ich bereits einen ersten Schritt in Richtung Genesung gemacht hatte.

Veränderung

Ich glaube, allein die Tatsache, nicht zu Hause zu sein und dem täglichen Trott entkommen zu können, war bereits eine Hilfe. Keine Sorgen um Essen und Aufräumen zu haben. Einfach mal aus der vertrauten Umgebung herauszukommen. Neue Erfahrungen zu machen. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich fühle mich zu Hause wohl. Aber von außen neuen Antrieb zu erhalten, die Möglichkeit zu haben, Dinge zu erkunden und neue Impulse zu bekommen, fühlte sich an wie ein Neuanfang zu wagen.

Ein anderer Tagesrhythmus

Die täglichen Therapieeinheiten und festen Essenszeiten schufen einen klaren Rahmen, innerhalb dessen ich mich bewegen konnte, ohne viel nachdenken zu müssen. Dieser Rahmen verlieh mir die Kraft, selbst wieder aktiver zu werden und Freude daran zu finden, Dinge zu tun. Ich begann damit, die Umgebung zu erkunden und machte – auch wenn es nicht immer erfolgreich war – ein paar Fotos. Das bedeutete, dass ich meinem Hobby wieder nachging.

Mit der Zeit wurden auch meine Gedanken nicht mehr ganz so düster und von Wolken umhüllt. Es war eine Bereicherung, anderen zuzuhören und zu erfahren, wie die Auswirkungen der Depression jeden Einzelnen unterschiedlich und individuell trafen. Obwohl ich mir bisher selbst noch nicht helfen konnte, verspürte ich den Wunsch, anderen helfen zu wollen. Ich hatte die Kraft und den Antrieb gefunden, anderen beizustehen, da ich genau nachempfinden konnte, wie es in ihnen aussehen musste.

Die Offenbarung

Letztendlich bemerkte ich, dass ich mich selbst in den letzten zwei Jahren vernachlässigt hatte. Ich hatte mich aus den Augen verloren. Es wurde mir klar, dass ich mein zukünftiges Leben in vielen Bereichen neu gestalten musste. Ich brauchte mehr Ausgleich und Abstand von der Arbeit. Im Büroalltag, besonders weil ich im Homeoffice arbeite, habe ich selten meine Pausen eingehalten. Ich hatte nicht bemerkt, wie sich die Schlinge immer enger um meinen Hals zog. So sehr, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, nicht mehr belastbar war und das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Die Angst, Fehler zu machen, wurde überwältigend, und ich konnte meinen eigenen Maßstäben nicht mehr gerecht werden. Die Messlatte, die ich mir und anderen gesetzt hatte, war unmenschlich hoch.

Selbstfürsorge

Ein grundlegender Gedanke, der mir kam, war die Frage danach, was ich einem guten Freund raten würde, wenn er sich in meiner Situation befände und meinen Rat sucht. Es ging darum, meine Perspektive zu verändern. Wenn es mir nicht gut geht, würde ich mich verkriechen und im Bett bleiben, abwarten, dass sich mein Gemütszustand von selbst ändert, bevor ich wieder auftauche. Das ist genau das, was ich tun würde. Aber das würde ich keinem guten Freund raten. Im Gegenteil, ich würde versuchen, ihm Mut zu machen, ihn aufzumuntern und zu motivieren. Warum also rede ich mit einem Freund anders als mit mir selbst?

Die Antwort darauf liegt in unserer Fähigkeit, objektiver zu sein, wenn wir die Probleme anderer betrachten. Wenn wir selbst betroffen sind, werden wir oft von unseren negativen Gedanken und Gefühlen überwältigt. Es fällt uns schwer, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten und uns selbst aufzumuntern. Aber hier liegt eine Chance: Wir können lernen, uns selbst wie einen guten Freund zu behandeln.

Selbstbestimmtheit

Indem wir die Sichtweise ändern und uns selbst positiv zusprechen, können wir unsere eigene Unterstützung und Motivation sein. Wir können uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind und dass es Menschen gibt, die uns lieben und unterstützen. Wir können uns vor Augen halten, dass wir bereits viele Herausforderungen gemeistert haben und dass wir die Fähigkeiten haben, auch diese Situation zu bewältigen.

Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass Selbstmitgefühl und positive Selbstgespräche keine Schwäche sind, sondern ein Zeichen von Stärke. Indem wir uns selbst mit Freundlichkeit und Verständnis behandeln, geben wir uns die Möglichkeit, innerlich zu wachsen und unsere eigene Heilung voranzutreiben.

Reha-Schatz

Also, stelle ich mir selbst öfter die Frage: Wie würdest du mit einem guten Freund sprechen? Aber ich rate auch dir, sich dieser Frage zu stellen. Nimm dir die Zeit, um dich selbst so zu behandeln, wie du es für einen geliebten Menschen tun würdest. Verändere deine Sichtweise und erlaube dir, die positive Energie und Unterstützung zu spüren, die du verdienst.

Reha-Schatz: Denk daran, dass du wertvoll bist und dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten und dich selbst mit Güte zu behandeln. Du hast die Kraft, dein eigener bester Freund zu sein und das Licht der Hoffnung in dunklen Zeiten zu entzünden.

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