Sponge Bob

Wenn ich die vergangenen Wochen und Monate betrachte, fühle ich mich erneut, als wäre ich vollgesogen. Die Ereignisse um mich herum gleichen der Flüssigkeit in einem Schwamm — ich selbst bin der Schwamm. Der Schwamm hat sich vollgesogen mit allem, was passiert, wichtigen und unwichtigen Dingen. Er fühlt sich nass und schwer an.

Ich blicke vom Zentrum aus nach außen: ich betrachte die Dinge, die passieren, nehme wahr, wie sich alles weiter vollsaugt — Dinge, die hinein- und herausfließen — Menschen drücken, ich drücke — und der Schwamm saugt auf und lässt wieder los; dieses Quetschen, mal von mir, mal von anderen, hält den Fluss der Dinge in Gang.

So funktioniert wohl das Leben, so laufen wohl die Dinge und geschehen die Ereignisse in (m)einem Leben. Die Ereignisse sind die Flüssigkeit im Schwamm. Das Drücken hält alles in Gang. Je nachdem, wie fest man drückt, laufen die Dinge mal besser, mal weniger, mal stärker, mal dramatischer. Würde man den Schwamm einmal richtig gut ausquetschen, so mein Gefühl, wäre er wieder leicht — der Schwamm, ich — bereit, wieder alles „neu“ aufzusaugen und zu erleben.

Und doch, so scheint mir, bleibt vieles im Schwamm nur in der oberen Schicht hängen und passiert weiter entfernt von mir, weil er schon so voll ist. Ich scheine kaum Einfluss darauf zu haben, wie viel wirklich ins Innere gelangt und insbesondere wie tief etwas eindringt und den Kern erreicht.

Ich versuche mir selbst klarzumachen, wie das so ist, hier im Zentrum des Schwamms, beim Klavierunterricht zum Beispiel: In der Stunde selbst spüre ich die Freude am Spielen und den Wunsch zu üben — in dem Moment bin ich im Zentrum; in der Woche jedoch, zwischen den Stunden, setze ich mich kaum bis gar nicht ans E‑Piano.

Genauso weiß ich, dass ich mich mehr bewegen sollte — ich könnte gerade jetzt das Rad nehmen und nach Kinderdijk fahren, die Mühlen fotografieren oder einfach nur die Umgebung erkunden, statt hier an der Oude Maas zu sitzen, zu grübeln und den Beitrag hier zu schreiben.

Klar, ich genieße gerade das warme Wetter und den Wind bei offenen Türen, trotzdem nutze ich die Möglichkeiten der Freiheit nicht voll und ganz. Immer wieder sind es Ausreden oder äußere Ablenkungen — Dinge, die zum Schwamm gehören — die mich davon abhalten, weit genug — oder überhaupt von außen — auf den Schwamm zu schauen. Die mich davon abhalten, gewisse Dinge überhaupt zu tun.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob ich lebe, sondern inwieweit ich den Schwamm selbst drücke oder ihn von anderen drücken lasse: Wie viel Fremdbestimmtheit akzeptiere ich, wie viel Eigeninitiative ergreife ich?

Ich schreibe das, weil ich versuche herauszufinden, wie ich dieses Fremdquetschen durchbrechen kann, wie ich meine vermeintlich verlorene Freiheit zurückgewinne und meinen eigenen Wünschen gerecht werden kann.

Am Ende sind es nicht nur einzelne Wünsche, sondern das ganze, was sich im Schwamm verbirgt. Ich habe so vieles, das ich tun möchte und tun könnte — und doch tue ich es oft nicht. Vielleicht habe ich aufgehört zu drücken und lasse zu viel von anderen drücken.

Sollte ich den Schwamm einmal ordentlich ausquetschen, um neu zu starten? Und was müsste ich danach tun, damit er nicht wieder so voll und nass wird?

Ich gehe jetzt Radfahren – ein Anfang?

Wenn der Beitrag dir gefällt, erzähle anderen davon...

Schreibe einen Kommentar